Unkonventionelles Marketing auf Social Media ist längst bei den großen Unternehmen angekommen. Twitter-Kanäle wie der von der BVG oder Dr. Oetker zeigen, wie humorvolle Kommunikation und Werbung mit dem Kunden funktionieren. Nun hat sich ALDI auf dieses Feld gewagt. Verhältnismäßig spät trat der Supermarkt-Discounter Facebook, YouTube und Instagram bei. Schnell zeigt sich, dass ALDI genau weiß, wen sie wie erreichen wollen. Neben dem YouTube-Format „Rezepte mit Oma Ehrlich“ setzt ALDI auf den Humor der jüngeren Nutzer: Memes.
Wie Marketing auf Meme-Seiten funktioniert, was man damit erreicht und was es unbedingt zu beachten gibt, erfahrt Ihr in diesem Artikel.
ALDI Marketing will die jüngeren Zielgruppen erreichen
Besser spät als nie: ALDI ist mit seinem Webauftritt eher ein Spätzünder, wenn man bedenkt, dass Lidl mit provokanten Postings auf Facebook und Instagram schon lange gegen den Discounter konkurriert. Doch nun prescht der Lebensmittelhändler an die Internetgemeinde heran und setzt dabei vor allem auf ein junges Publikum. Lustige Memes und eine typische deutsche Omi, die Kochrezepte-Tutorials auf YouTube zeigt, sollen die Generation Y und Z überzeugen.
Über sich selbst lachen zu können, gehört in den jüngeren Generationen ja gewissermaßen zum Anstand dazu. Instagram-Accounts wie Alman_Memes 2.0 treiben diesen Gedanken auf die Spitze. Über eine halbe Million Follower amüsieren sich auf dem Kanal über typisch deutsche Attitüden. Der Begriff Alman stammt aus dem türkischen Publikum, innerhalb dessen die Bezeichnung auf humorvolle Art mit klischeehaftem, deutschem Verhalten assoziiert wird.
Die dargestellten Alman-Situationen sind zum wesentlichen Teil der Meme-Kultur geworden, die sich zwischen Popkultur, Politik und gesellschaftlicher Kritik einordnet. Auf Instagram verspricht dieses Content-Format aufgrund der Beliebtheit besonders große Interaktion und Reichweite. Das scheinen ALDI NORD und SÜD erkannt zu haben und kommunizieren mit einer Prise Humor in den Kommentarspalte fleißig mit den Nutzern.
Was kann man mit dieser Art des Marketings erreichen?
Ziemlich spät gründet ALDI im September 2019 einen Instagram-Account. Doch für das Verpassen eines ganzes Jahrzehntes auf der Plattform nimmt sich die Lebensmittelkette mit dem ersten Posts direkt mal selbst auf die Schippe. Und genau mit dieser Art von Humor führt ALDI seine Social-Media-Strategie fort.
Zusammen mit dem Alman-Account veröffentlicht der Supermarkt Memes über günstige Spannbettlaken, für die eine typische Alman-Anette bereits halb sieben vor dem Markt steht oder das günstige Dosenbier, welches Alman-Achim mit ins Stadion nimmt, um keine fünf Euro am Getränkestand ausgeben zu müssen. Ersterer Post hat dabei etwa 373.000 Aufrufe und knapp 40.000 Likes generiert.
ALDI ist wohl so gut wie jedem Deutschen bekannt und dennoch mangelt es dem Unternehmen an einer wirklichen Marke. Die Kampagne auf Instagram soll weniger einer direkten Produktwerbung dienen, sondern viel mehr einen Kult hinter dem “urdeutschen” Unternehmen schaffen – denn ALDI gehört zum „Deutschsein“ dazu, genau wie die typischen Kunden. Gerade die jüngeren Generationen reagieren auf diese Art von Humor sehr positiv und zeigen dies durch das Liken und Teilen der Kampagne.
Warum Instagram der wichtigste Kanal in ALDIs Online-Marketingstrategie ist
Doch nicht nur Alman-Anette und Alman-Achim auf Alman Memes vertreten den Lebensmittelhändler auf Social Media. „Was reimt sich auf Wochenende? Eierlikör, richtig!“ – Auch bei Oma Ehrlich wird auf das Mittel Humor gesetzt. Die kochbegeisterte Rentnerin vertritt die Webpräsenz von ALDI Nord. Flotte Sprüche und ein herber Dialekt aus dem Ruhrpott beschreiben den Werbecharakter, der mit kurzen Kochvideos auf Instagram und YouTube punktet. Und auch mit diesem Konzept bewirbt ALDI keine gezielten Produkte, sondern will sich online positionieren und junge Konsumenten in ihren Bann ziehen.
Instagram scheint für diese Art von Content, mit der der Einzelhändler seine Marke aufladen möchte, genau der richtige Ort zu sein. Mit den Memes und witzigen Kochanleitungen setzt ALDI auf Formate, die gern geteilt werden und somit ordentlich Reichweite generieren. Instagram ist für sie der wichtigste Kanal in der Online-Marketingstrategie, so Matthias Kräling, Social Media Manager bei ALDI Nord. Auch eine eigene Gruppe von ALDI-Influencern wurde bereits akquiriert. Der Discounter wittert hier die Chance, Zielgruppen zu erreichen, die ansonsten nur selten mit der Marke in Berührung treten.
Nicht nur ALDI nutzt Memes und Selbstironie als Werbemittel
Memes mit den Almans sind jedoch nicht nur bei der ALDI-Marketingabteilung beliebt: Auch das Online-Portal mydealz.de kooperierte bereits mit dem Account von Sina Scherzant und Marius Notter. Humor scheint immer öfter Einzug in die Marketingstrategie von Unternehmen zu erhalten. Das Berliner Verkehrsunternehmen (BVG) twittert beispielsweise fröhlich vor sich hin und nimmt dabei sowohl sich selbst auch die User gern aufs Korn.
Und wir meinen nicht Pünktlichkeitsweltmeister. pic.twitter.com/dpVqMDDpep
— Weil wir dich lieben (@BVG_Kampagne) January 4, 2018
Der kurze Kommunikationsweg auf Social Media macht den Austausch mit den Kunden besonders attraktiv, denn er ist viel persönlicher und nahbarer, als es andere Werbemittel zuvor erlaubten. Eine solche Werbung bedarf jedoch auch gut durchdachter Strategien und genügend Kenntnisse über aktuelle Ereignisse. Einmal gepostet und schon will die Meute stets unterhalten werden. Vor allem in puncto Humor ist das Netz erbarmungslos: Gefällt den Usern der Content nicht, wird er ignoriert oder aber selbst durch den Kakao gezogen.
Der Klassiker der fehlgeleiteten Social-Media-Kommunikation: Das musste 2011 die Marke Pril erfahren, als sie die Online-Community über das neue, limitierte Design der Spülmittelflasche abstimmen ließen. Nach oben gevotet wurde nämlich ein „Kunstwerk“ mit Brathähnchen-Skizze und der Aufschrift „Schmeckt lecker nach Hähnchen“. Das Beispiel zeigt, dass die Entwicklung der eigenen Kampagne stets im Auge behalten werden sollte, damit die Kommunikation nicht aus dem Ruder läuft.
Fazit
Wer zuletzt lacht, lacht am besten – dachte sich ALDI wohl mit dem späten Einstieg ins Social Media-Getümmel. Doch mit dem humorvollen Konzept punkten sie vor allem bei den jungen Nutzern, die lustigen Content als Stil- und Werbemittel herzlich begrüßen. Aber Vorsicht: Wie das Pril-Beispiel zeigt, sollte man sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen und die eigene Kampagne stets beobachten.
Werbung auf Social Media sollte subtil und nicht zu Produkt-verbissen sein: Auf witzige Art vermarktet ALDI mit der Alman_Memes2.0-Kooperation kein Produkt, sondern ein Stückchen Kultur gepaart mit Unternehmensimage. Diese Selbstironie wirkt sympathisch und kommt in der Netzgemeinschaft besonders gut an.