Zeitungen im Internet – geht es auch ohne Papier?

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    Die Auflagen der Zeitungen in Westeuropa sind seit 2008 um fast 25 Prozent eingebrochen, auch prominente Beispiele wie die Stilllegung der Financial Times Deutschland belegen das – aber stirbt deswegen auch der seriöse Journalismus aus? Nein, denn das Digital Publishing eröffnet ganz neue Wege der Nachrichtenverbreitung und ist im heutigen Internetzeitalter einfach der logische Schritt, den alle Tageszeitungen früher oder später gehen müssen.

    Digital Publishing revolutioniert den Zeitungsmarkt

    In den letzten fünf Jahren sind die Auflagen westeuropäischer Zeitungen um rund 25% eingebrochen, einhergehend mit einem Verlust an Werbeeinnahmen von etwa 23%. Nordamerika und Osteuropa, Australien, der Nahe Osten und Nordafrika vermelden ähnliche Zahlen bei den Werbeverlusten, während die Auflagen in den letzten drei genannten Regionen z. T. bis zu 10% gestiegen sind. Eine bemerkenswerte Ausnahme liefert Lateinamerika. Hier sind sowohl die Auflagenzahlen (rund 10%) als auch die Werbeeinnahmen (fast unglaubliche 38%) massiv gestiegen.

     

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    Infografik von Statista

     

    Die Zeitung auf dem Smartphone

    Als das Internet noch eine Randerscheinung war, der Begriff Digital Publishing nur ein Schulterzucken hervorrief und sich Nachrichten nicht binnen Minuten per Twitter & Co. um die ganze Welt verteilt haben, besaßen Tageszeitungen durchaus einen hohen Stellenwert. Inzwischen hat sich das Blatt jedoch gewendet, denn die angeblich neuesten Nachrichten sind im Internet schon einen ganzen Tag zuvor einsehbar, so dass Tageszeitungen niemanden über neue Entwicklungen in Kenntnis setzen.

    Nun sind die Verleger natürlich nicht dumm: Auch die Verantwortlichen bei Bild, Welt, FAZ & Co. haben begriffen, dass auf lange Sicht Digital Publishing als gleichwertige Informationsquelle angeboten werden muss, um keine Leser an das Medium Internet zu verlieren. Im Idealfall lebt die Printzeitung in Zukunft im Einklang mit den digitalen Inhalten und keine Plattform wird bevor- oder benachteiligt. Dieses Ziel kann auf verschiedene Arten erreicht werden, wobei das Smartphone dabei eine wichtige Rolle spielt.

     

    Nachrichten für die Hosentasche

    Die Verleger müssen sich angesichts des veränderten Mediums jedoch großen Herausforderungen stellen: Während eine Zeitung schnell einen halben Küchentisch einnehmen kann, gelten im Digital Publishing andere Regeln. Informationen müssen auf die maximal fünf Zoll großen Displays von Smartphones passen und dort auch so präsentiert werden, dass der Nutzer sie tatsächlich lesen möchte. Falls die Verlage ihre Angebote nicht an Smartphone oder Tablet anpassen, wird der Leser über kurz oder lang eine andere Seite besuchen – und der Online-Zeitung droht ein ähnlicher Kundenschwund wie der Printausgabe.

    Spiegel Online etwa gibt sich im neuen Design und rückt große Bilder in den Vordergrund.

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    Beispiel Spiegel Online

     

    Gleichzeitig darf dieser Trend weg von der gedruckten Zeitung keine Furcht auslösen – im Gegenteil: Durch die neuen Medien werden natürlich auch ganz neue Formen der Nachrichtenübermittlung erlaubt. Während eine beliebige Tageszeitung beispielsweise in ganz Deutschland ausgeliefert wird und jedem Leser dieselben Nachrichten zukommen lässt, kann Digital Publishing auf einem Smartphone dafür sorgen, dass ein wesentlich stärkerer Fokus auf regionale Nachrichten gelegt wird. Ein Nutzer in Hannover beispielsweise bekommt dann verstärkt News angezeigt, die sich in und um die Landeshauptstadt oder zumindest im Bundesland Niedersachsen ereignen. Diese Form der Personalisierung können klassische Zeitungen gar nicht bieten.

     

    Wer bezahlt die Revolution?

    Bleibt nur noch die Frage offen, wer für diese Inhalte bezahlen soll. Im Internet hat sich eine gewisse Kostenlos-Kultur etabliert, denn irgendwo sind Nachrichten immer umsonst zu finden. Die Nutzer müssen also einen so hohen Mehrwert in der Berichterstattung durch renommierte Tageszeitungen erkennen, dass sie bereit sind, dafür einige Euros im Monat oder auch Pauschalbeträge für jeden Artikel zu bezahlen. Dies stellt natürlich auch hohe Anforderungen an die Journalisten, die diese Inhalte entwerfen müssen – so dass das Digital Publishing am Ende überhaupt keine Gefahr für den Journalismus ist, sondern diesen sogar bereichert.

    Am 16. Juni hat zum Beispiel die Bild-Zeitung mit Bild Plus ein Bezahlsystem eingeführt: Einzelne Artikel sind nur noch gegen Bezahlung erhältlich.

     

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    Bild Plus Bezahlsystem

     

    Folgende Infografik zeigt, dass im ersten Monat die Zugriffe leicht gesunken sind. User müssen sich also offenbar erst daran gewöhnen, dass sie für Content nun auch zahlen sollen. Ein Prozess im Wandel.

     

    entwicklung-des-traffics-von-bild.de
    Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

     

     

    Dass Zeitungen online gehen, ist nur folgerichtig. Auch User sind verbreitet im Netz unterwegs, vor allem mit mobilen Geräten: Smartphones immer beliebter für Einkäufe und Unterhaltung

     

     

    Bildnachweis (in der Reihenfolge ihres Erscheinens):

    © SteveNakatani / flickr.com
    © Statista
    Screenshot von www.spiegel.de
    Screenshot von www.bild.de/bild-plus

    Beitragsbild
    © SteveNakatani / flickr.com

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