Nach dem Erfolg der Barbara, der Guido und der JWD wird der Hamburger Verleger Gruner + Jahr ein weiteres Personality Magazin herausgeben – diesmal in Kooperation mit dem Sänger Max Giesinger. Doch sind Print-Erzeugnisse überhaupt noch zeitgemäß, wo sie schon diverse Male für tot erklärt wurden? Im Folgenden beleuchten wir die Vorteile des Mediums und welche Vorteile eine Brand Personality bietet.

Welche Vorteile bietet Print?

Auf den ersten Blick ist es schwer nachzuvollziehen, warum Verlage wie Gruner + Jahr immer wieder neue Print-Zeitschriften herausgeben. Schließlich bietet Online deutlich mehr Vorteile und ist dazu auch noch kostengünstiger. Doch ganz so richtig ist das nicht, denn gerade in Zeiten der Informationsüberflut fühlen sich viele Menschen dem klassischen Print hingezogen. Ein großer Faktor dafür ist die Abgeschlossenheit eines Print-Objekts, wodurch im Vorfeld eine klare Priorisierung der Inhalte stattfinden muss. Das Netz hingegen bietet unbegrenzten Content, was den Wert des Einzelnen mindern kann.

Ergo: Leser suggerieren mit Print Relevanz und Qualität, da eine Redaktion die Inhalte gezielt auswählt und professionell aufbereitet. Zwar sind die Guido oder Barbara nicht gerade Pulitzer-Preis-verdächtig, doch schwingt durch die Vertreibung als Print-Magazin eine gewisse Hochglanz-Aura mit. Der Geschäftsführer des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger Stephan Scherzer spricht sich auch positiv für den neuen Trend der Personality-Magazine aus:

„Es ist eine schöne Idee, eine starke Marke mit einer starken Anker-Persönlichkeit zu kombinieren und dann wieder eine Community zu bauen. Das ist modernes Verlegen.“

Entgegen vieler Stimmen erfindet sich die Print-Branche ständig neu und ist offen für Innovationen, was der Personality-Trend beweist. Auch andere Verlage wie Bauer oder Burda sind mittlerweile auf den Zug aufgesprungen und haben unter anderem Magazine mit Daniela Katzenberger und Birgit Schrowange herausgebracht.

Wie setzt Gruner + Jahr die Personality Magazine auf digitaler Ebene um?

Alle Personality-Magazine von Gruner + Jahr haben eine Online-Präsenz – manche im Rahmen des Sterns oder Brigitte, andere eine eigenständige Webseite. Dabei sind die Websites nicht reine Wiedergaben des Printerzeugnisses, sondern unterscheiden sich durch die Nutzung audiovisueller oder Partizipations-Elemente, wie beispielsweise Umfragen und Quizze. Klassische Bannerwerbung findet sich nicht wieder, es wird rein mit Native Advertising geworben.

Von Content und Stil erinnert das Beispiel Barbara an bento oder Buzzfeed. Damit passt es seinen Content an Boulevard Online-Magazine an und bietet damit eine logische Erweiterung des Print-Magazins.

Subjektivierung von Unternehmen wird zunehmend wichtiger

Julia Jäkel ist Verlagschefin bei Gruner + Jahr und begründet den Personality Magazin-Trend so, dass eine Sehnsucht nach Subjektivierung und Personalisierung herrsche. Außerdem führt sie weiter aus: „Menschen orientieren sich an anderen Menschen, im Digitalen sowieso. Und andererseits besteht eine Lust oder eine Suche nach substanzvollen Inhalten“.

Um dem Rezipienten also eine Orientierung zu geben, sollte eine Brand Personality etabliert werden.

Möchte eine Brand als eine Personality etabliert werden, bedeutet das die Aneignung von menschlichen Charaktereigenschaften, die direkt mit der Brand verknüpft werden. Ausgetragen werden kann sie in Form von Content, der dem Charakter entspricht, und in der allgemeinen Tonality gehalten werden, mit der das Content Marketing betrieben wird. Eine Etablierung der eigenen Personality kann ein langfristiger Prozess sein, da sie sich erst nach einer gewissen Kontaktdichte beim Rezipienten einspeichert.

Das ist ein Grund, warum Personality-Magazine derzeit so beliebt sind, da sich die Persönlichkeit des Testimonials automatisch auf die Brand überträgt. Die jeweiligen Prominenten stehen in bestimmten Gebieten für Authentizität und Glaubwürdigkeit, wie beispielsweise Guido Maria Kretschmer bei Beauty und Fashion. Doch nicht nur die Zeitschrift an sich profitiert von dem bereits etablierten Ruf des Promis als Experte. Es findet ein beidseitiger Imagetransfer statt, da das Testimonial durch ein Hochglanz-Magazin unter eigenem Namen seine eigene Brand deutlich stärken kann. So kann vor allem der noch recht junge Max Giesinger mit seinem eigenen Personality Magazin seine Brand frühzeitig verfestigen. Da sich das Magazin hauptsächlich um seine Tour dreht, stärkt er außerdem seinen Live-Act-Brand und kann auf den Konzerten sein Magazin verkaufen.

Beispiel eines Brand Personality Typus am Beispiel „Joko Winterscheidt Druckerzeugnis“ aka „JWD“

Brand Archetype: Rebel, Hero

Typ: Der humorvolle, risikobereite und unternehmenslustige Mann

Ziel: Dem Leser zeigen, dass alles möglich ist und nicht gegeizt werden sollte, wenn es um Abenteuer geht. Außerdem werden Themen angeschnitten, die nicht in die Norm fallen und damit hebt es sich von den meisten Magazinen mit Männerzielgruppe ab.

Philosophie: Sei neugierig, mutig und entdecke Neues.

Ängste: Zu polarisierende Themen, die zu vielen missfallen und damit ein schlechtes Bild auf das gesamte Magazin werfen.

Brand Mission: Vermittlung eines modernen Lifestyles, der auch mal über die Konventionen hinausgeht.

Was Content Marketer von den Personality-Magazinen lernen können

Kaufentscheidungen sind oft nicht rational, sondern emotional. Nach dem Golden Circle-Prinzip (siehe Grafik) von Simon Sinek machen Kunden ihre Kaufentscheidungen nicht nur von Preis und Qualität abhängig. Der Faktor, der letztendlich zum Kauf führt, ist intuitiv und gefühlsgesteuert. Das „Why“ steht also im Zentrum und wird vom „How“ und „What“ umklammert. Die Brand Personality spielt viel in das „Why“ mit ein, da sie oft eine der ersten Assoziationen mit dem Produkt ist, die bei dem Kunden hervorgerufen werden. Somit lohnt sich definitiv die Entwicklung und Etablierung einer Brand Personality, da sie die Basis für viele Content Marketing-Maßnahmen ist.

Leah ist seit Sommer 2018 Copywriter bei House of Yas, einer Content-Agentur in der Domstadt Köln. Während sie bei ihren Kollegen vor allem für Avocado-Liebe bekannt ist, geht sie außerhalb der Mittagspause ihrer Leidenschaft für das Schreiben nach. Diese kann sie auch in ihrem Studium der Medienkulturwissenschaften und English Studies an der Uni Köln miteinbringen.

Quellen

https://www.horizont.net/medien/nachrichten/Mit-Guido-Maria-Kretschmer-Gruner–Jahr-startet-das-naechste-Magazin-mit-prominenter-Unterstuetzung-166961
https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/von-barbara-bis-boa-der-boom-der-promimagazine,R8thyin
postfunnel.com/12-brand-personality-types-consider-revved-retention/
https://www.wuv.de/medien/saenger_max_giesinger_bekommt_ein_magazin
https://www.wuv.de/medien/warum_die_verlagsbranche_an_promi_magazine_glaubt
https://www.wuv.de/medien/wie_barbara_digital_wird
https://www.gujmedia.de/print/portfolio/jwd/leserschaft/
https://de.wikipedia.org/wiki/Simon_Sinek

Hinterlasse einen Kommentar:

Kommentar
Name