Die neue ARD/ZDF-Medienstudie 2025 zeigt, wie sich Deutschlands Medienlandschaft weiter fragmentiert, und gleichzeitig stabil bleibt. Während ältere Zielgruppen beim linearen Fernsehen verharren, definiert die Generation Z längst ihre eigene Medienrealität: mobil, non-linear und algorithmisch kuratiert. In diesem Beitrag gehen wir auf die zentralen Ergebnisse der Studie ein und nehmen die Trends unter die Lupe.
Nach einem Rückgang im Vorjahr ist die Mediennutzung 2025 wieder leicht gestiegen. Durchschnittlich verbringen die Menschen in Deutschland über sechseinhalb Stunden pro Tag mit medialen Inhalten – ein Wert, der sich seit Jahren auf hohem Niveau hält.
Der Trend zur Parallelnutzung verschiedener Medien bleibt bestehen: Viele sehen Videos auf dem Smartphone, während sie Podcasts hören oder Nachrichten lesen. Besonders die unter 30-Jährigen zeigen ein hybrides Medienverhalten: Sie konsumieren weniger lineare Angebote, aber mehr Social-Media-Videos, Streams und Audio-On-Demand.
👉 Key Takeaway: Mediennutzung bleibt ein Alltagsritual. Doch die Wege dorthin sind individueller und non-linearer geworden.
Drei Viertel der Bevölkerung (74 Prozent) sehen wöchentlich klassisches Fernsehen, 45 Prozent nutzen Streamingdienste. Die ARD- und ZDF-Mediatheken bauen ihre Reichweiten deutlich aus und liegen in der Gesamtbetrachtung sogar vor den kommerziellen Anbietern. Dennoch führt bei der regelmäßigen Nutzung weiterhin Netflix, gefolgt von Amazon Prime Video.
Besonders auffällig ist das Altersgefälle: Unter 30-Jährige verbringen nur noch rund ein Viertel ihrer Videonutzungszeit mit linearem Fernsehen. Stattdessen dominieren YouTube, Social-Media-Videos und Streamingplattformen. Bei den über 50-Jährigen entfällt hingegen mehr als die Hälfte der Sehdauer auf Live-TV.
👉 Key Takeaway: Das klassische Fernsehen behauptet sich, aber Social Video ist der heimliche Gewinner des Jahres.
Im Audiobereich bleibt Radio das reichweitenstärkste Medium: 78 Prozent hören wöchentlich, 62 Prozent täglich. Doch die Wachstumsimpulse kommen klar aus dem Streaming- und Podcast-Segment. 45 Prozent streamen Musik, 25 Prozent hören Podcasts – ein neuer Höchstwert.
Während die unter 30-Jährigen ihre Hörzeit zu über 50 Prozent auf Streamingdienste wie Spotify verlagern, bleibt Radio bei den über 50-Jährigen die dominante Quelle. Spotify führt das Ranking unter den Anbieter*innen mit Abstand an, gefolgt von Amazon Music.
👉 Key Takeaway: Podcasts und Streaming etablieren sich als gleichberechtigte Mediengattungen, das lineare Radio verliert seine Vormachtstellung.
Neun von zehn Menschen (91 Prozent) konsumieren wöchentlich Textinhalte – ein Zeichen, dass Lesen als Medienform weiterhin fest im Alltag verankert ist. Während Printtitel ihre Reichweite erstmals stabil halten, legen digitale Angebote, insbesondere Artikel auf Social Media und Onlineportalen, weiter zu.
Besonders interessant: Bücherlesen bleibt beliebt, auch bei Jüngeren. Der oft prognostizierte „Lesekollaps“ bleibt aus.
👉 Key Takeaway: Lesen erlebt kein Revival, aber eine Neuformatierung. Der Ort des Lesens wandert von Papier zu Plattform.
Fast die gesamte Bevölkerung (96 Prozent) ist inzwischen online. Nur bei den über 70-Jährigen ist noch rund ein Fünftel offline. Die Internet-Tagesreichweite liegt bei 83 Prozent, getrieben vor allem durch mediale Internetnutzung: Video, Audio und Text über digitale Kanäle.
Erstmals wurde 2025 auch die Nutzung von KI-Tools erhoben, das Ergebnis markiert einen Wendepunkt: 22 Prozent der Bevölkerung verwenden regelmäßig Anwendungen wie ChatGPT oder Gemini, bei den 14- bis 29-Jährigen sogar 57 Prozent.
👉 Key Takeaway: Künstliche Intelligenz ist kein Randphänomen mehr. Im Gegenteil: Sie wird zunehmend Teil des Medienalltags, besonders bei der jungen Generation.
Über die Hälfte der Deutschen nutzt regelmäßig soziale Medien. Instagram liegt deutlich vor Facebook, TikTok belegt Platz drei und wächst weiter. Besonders in der Altersgruppe 14–29 ist Social Media allgegenwärtig, 91 Prozent nutzen es wöchentlich.
Auch das Thema Gaming gehört längst zur Mediennutzung: 41 Prozent der Bevölkerung spielen regelmäßig, bei den Jüngsten sogar zwei Drittel. Online-Games überwiegen leicht gegenüber Offline-Varianten.
👉 Key Takeaway: Mediennutzung ist längst mehr als Konsum – sie ist Interaktion, Identität und sozialer Raum zugleich.
Das Smartphone ist das dominante Endgerät über alle Altersgruppen hinweg. Während TV-Geräte und Radios vor allem von älteren Zielgruppen genutzt werden, greifen unter 30-Jährige nahezu ausschließlich zum Smartphone – auch für Streaming, Social Media und Nachrichten.
👉 Key Takeaway: Das Smartphone ist zum medialen Betriebssystem des Alltags geworden.
Deutschland konsumiert so viel Medien wie nie, aber nicht mehr auf den klassischen Wegen. Lineares Fernsehen, Radio und Print bleiben relevant, verlieren jedoch strukturell gegen digitale, interaktive Formate. Streaming, Podcasts, Social Video und KI-Tools prägen das neue Medienökosystem.
Die kommenden Jahre werden zeigen, wie KI-gestützte Personalisierung, Plattformkonvergenz und Medienvertrauen zusammenspielen und verändern werden.
Copyrights Titelbild: bakhtiarzein / stock.adobe.com
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